„Ein direkter Angriff auf die Cargolux“

(aa) – Zusammen mit der European Cockpit Association (ECA) und weiteren darin organisierten Pilotenverbänden kündigt die Luxemburger Pilotenvereinigung ALPL den Beitritt zur Koalition für einen fairen Wettbewerb im Luftverkehr „Europeans for a Fair Competition“ (E4FC) an.

Im letzten Jahrzehnt hätten die staatlich geförderten Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem benachbarten Emirat Katar ihre Kapazitäten auf vielen Strecken, die zuvor von europäischen Fluggesellschaften bedient wurden, massiv ausgebaut, heißt es bei der ALPL.

Massive Staatshilfen für Fluggesellschaften vom Golf

Problematisch daran sei, dass diese Fluggesellschaften durch Staatshilfen unterstützt werden und vom Zugang zu billiger Infrastruktur, Kraftstoff und Kapital profitierten. Diese den Markt verzerrenden Praktiken benachteiligten nicht nur die europäische Luftfahrtindustrie sondern schadeten der EU Wirtschaft im Allgemeinen.

So zeigt „eine kürzlich veröffentlichte Studie, dass die großen Airlines vom Persischen Golf in den letzten zehn Jahren 39 Milliarden Euro Unterstützung von ihren Regierungen erhalten haben“, so ALPL-Präsident Darrell Myers. So hätten diese Airlines ihre „aggressiven und schädlichen Wachstumsstrategien“ problemlos finanzieren können.

Qatar nicht direkter Auslöser für E4FC-Beitritt

Erst kürzlich hatte die Golf-Airline Qatar Airways zusätzliche Frachtverbindungen von Liège nach Luxemburg verlegt, wo katarische Fluggesellschaften vor einigen Jahren weitreichende Flugrechte erhielten. Dieses Engagement der Qatar sei nicht der direkte Auslöser zum Beitritt zur E4FC gewesen, so ALPL-Generalsekretär Dirk Becker.

„Das Problem mit den Golf-Carriern zeichnet sich schon länger ab“ sagte Becker.  Das Anliegen von der E4FC sei es, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit eines fairen Wettbewerbs herzustellen, die staatlichen Subventionen der Golf-Carrier zu beenden und offenzulegen, welche Fluggesellschaften gegen Regeln verstoßen.

Europäische Fluggesellschaften im Nachteil

„Es sind schon recht unfaire Wettbewerbsvorteile, von denen Golf-Carrier ganz allgemein profitieren“, so Becker. Wenn man sich dagegen vor Augen führe, wie genau Aktivitäten des Luxemburger Staates zugunsten der Cargolux beobachtet würden, und welchen Regeln sich europäische Akteure beugen müssten, so seien europäische Fluggesellschaften gegenüber Etihad, Emirates oder Qatar im Nachteil.

„Wenn man sich deren Wachstumsdaten anschaut, z. B. bei Qatar im Frachtbereich, die vor zehn Jahren quasi nicht existent waren und jetzt unter den Top-5 sind, dann stellt sich doch die Frage, wo diese Wachstumsexplosion herkommt, während der Markt durch Überkapazitäten unter Druck steht“, sagte der ALPL-Generalsekretär.

Bedenkliche Flugrechtevergabe in Luxemburg

„Dass Qatar Airways unbegrenzte Rechte der fünften Freiheit in und ab Luxemburg wahrnehmen kann, ist natürlich bedenklich, und es stellt sich langfristig die Frage, ob das langfristig dem Wirtschaftsstandort Luxemburg gut tut. Denn man weiß nicht, welche langfristigen Interessen Qatar Airways verfolgt.“

Richtig sei, dass man keine Mauer um Luxemburg bauen könne, so Becker in Anspielung auf jüngste Aussagen von Ressortminister François Bausch zum Thema Preisdumping. Bausch hatte sich für eine gemeinsame europäische Lösung auf EU-Niveau ausgesprochen und betont, dass man dem Emirat Katar die zugestandenen Rechte nicht ohne triftigen Grund wieder entziehen könne.

Cargolux wird es zu spüren bekommen

Dennoch müsse man sich die Frage stellen, welche Konsequenzen es für Luxemburg habe, wenn Qatar Airways den Wettbewerbsvorteil der Flugrechte zusätzlich zu den genannten staatlichen Subventionen ausspiele. Wenn Qatar zwischen Luxemburg und Drittstaaten Fracht befördern dürfe, sei das ein direkter Angriff auf eine Cargolux, die das irgendwann zu spüren bekomme, sagte Becker.

„Vorliegende Zahlen zeigen, dass 600 Arbeitsplätze in Europa verloren gehen für jede bisher durch eine europäische Airline bediente Flugstrecke, die aufgrund der aggressiven Expansion der drei großen Golf-Carrier aufgegeben wird“, sagte der ALPL-Generalsekretär. Das sei eine reale Bedrohung.

E4FC möchte Marktverzerrung beenden

Die ECA werde zusammen mit den durch sie vertreten Pilotenverbänden eng mit der Europäischen Kommission, den nationalen Regierungen und anderen Beteiligten zusammenarbeiten, um diese für den gesamten europäischen Luftverkehr schädliche Marktverzerrung zu beenden.

Published on Luxemburger Wort.